Prof. Dr. theol. Martin Weyer-Menkhoff

Forschung

 

> Eschatologie im 21. Jahrhundert

Die Eschatologie („Lehre von den letzten Dingen“, vom Telos, also Goldenes Zeitalter, Paradies, Endgericht, „Weltuntergang“, Apokalyptik, Tod und „danach“ ...) gehört zum Grundbestand jüdischer und christlicher Religion, mit vielfachen Parallelen zu alten wie neuen paganen Vorstellungen. Es sei nur an Marx’ Paradiesvorstellungen und „den neuen Menschen“ im Sozialismus erinnert sowie an stets aufflammende esoterische Endzeiterwartungen (angebliche Jahrtausendwende 1.1.2000 und unlängst: Maya-Kalender). Die jüdisch/christliche Eschatologie hat erhebliche Auswirkungen auf die linearen Zeit- und Geschichts-vorstellungen des Abendlands wie des islamischen Kulturkreises ausgeübt. In dem Maße, wie diese Vorstellungen seit der Staatskirchenbildung an Bedeutung verloren (Augustin, Joachim von Fiore und vor allem die deutsche Aufklärung und (theologische) Neologie), nahmen sich sektiererische Randgruppen dieses Themas an (Zeugen Jehovahs zB und auch sonst allerlei Schattierungen fundamentaler Gruppierungen).

Ziel
Die Untersuchung soll als Versuchsskizze die Frage beantworten, wie eine christliche Eschatologie im 21. Jahrhundert gestaltet sein kann und muß. Es ist also geplant, in Grundzügen eine „Eschatologie“ vorzulegen.

Was soll das?
Theologisch stellt sich die Studie einem im 20. Jahrhundert peinlich umgangenen Thema, soweit es nicht entweder existentiell uminterpretiert (Bultmann) oder geradewegs als veraltet abgetan wird (Jörns). Es soll gezeigt werden, daß und wie eine Theologie ohne eschatologischen Horizont Wesentliches verliert: die Solidarität mit Menschen, Natur, Kultur, insbesondere mit Politik und Zahlen. Überhaupt hängt sonst die Schöpfungslehre merkwürdig abstrakt in der Luft und verkommt zur unbedeutenden Behauptung. Und wesentlich: die christliche Ethik, vor allem Sozialethik verliert ihren religiösen Zusammenhang. Die Studie soll also einen dritten Weg zwischen Abwertung und fundamentalistisch-, zT evangelikaler Falschbewertung zeigen.
Die Archäologie und Religionswissenschaft, insbesondere die Ägyptische Religion lehren, daß das Wissen über den Tod und das „Danach“ keineswegs esoterisches oder Neugierde-Wissen ist, sondern Lebens-Wissen. Es zeigt sich, je mehr man vom Tod versteht, je mehr weiß man vom Leben. Die so genauen „Informationen“ über den Tod oder Scheol oder Himmel oder Hölle dienen dem guten Leben. Ebenso wie auf dieser individuellen Ebene so dient die Eschatologie dem Leben in Sozialität, Natur und Kosmos eingebundenen Leben und damit auch der Nachhaltigkeit.

Religionspädagogisch sieht es noch trostloser als in der Theologie aus. Die Eschatologie kommt lediglich individualisiert im Zusammenhang mit dem Thema Tod vor und dies nur verdünnt und nebensächlich; über das Darüberhinaus will man nichts mehr wissen, weil man Wissen mit Datensammlung verwechselt; Daten über ein Jenseits der Zeit haben wir natürlich nicht. Hier möchte ich zeigen, wie der Religionsunterricht an Konkretion gewinnt, wenn die Eschatologie nicht ausgeblendet wird. Es ist geplant, einige Skizzen für den Unterricht vorzulegen.

Gesundheitspsychologisch hat das avisierte Gebiet eine nicht geringe Relevanz. Unsere Schüler/, zumal im Südwesten kommen immer wieder mit angsterzeugenden apokalyptischen Vorstellungen in Verbindung, besonders mit christlich-, aber auch muslimisch fundamentalistischen, die sie im Unterricht manchmal keck, meistens jedoch erst zu äußern wagen, wenn sie merken, daß der/ Lehrer/  bereit ist zu hören. Die neurotisierende Wirkung sektiererischer oder zT evangelikaler oder fundamentalistischer Apokalyptik bei Schülern/ ist behandelbar, wenn sie behandelt wird, nämlich sachgemäß (zB) im Religionsunterricht.
Darüberhinaus ergibt sich aus den historischen Untersuchungen, daß sich bei der Beschäftigung mit Eschatologie zugleich das Thema Aktivität/ Passivität nicht nur nebensächlich eröffnet. Es läßt sich zeigen, wie bestimmte Formen gelebten eschatologischen oder gar apokalyptischen Glaubens einmal Menschen lähmen oder zur Passivität verleiten, ein anderes Mal zu höchsten Kulturleistungen anspornen. Dieses Moment wird ein eigenes Kapitel werden, vielleicht auch die ganze Studie durchziehen.

 

 > Gefrorener Glaube - Über Hoffnung und Schöpfung, Fundamentalismus und Kreationismus
    - Ein Projekt zusammen mit AOR PD Dr. Axel Wiemer, Schwäbisch Gmünd -

Hierbei fragen wir nach Hoffnung, Zuversicht, Lebensfreude als Motor zuversichtlichen Lebens und Handelns. Gleichzeitig ist dies ein Versuch, „Kreationismus“ und seine Abkömmlinge in ihren Bemühungen zu verstehen, die christliche Hoffnung, ja vielleicht sogar Gott, durch Erstarrung festzuhalten und sichtbar zu machen. Hieran ist viel zu lernen, der schillernde Begriff "Fundamentalismus" klärt sich auf als Bibliophathie einer nach Erlösung suchenden Seele. Diese systematischen Erwägungen sollen ihr Fundament in Exegesen einschlägiger Bibeltexte freilegen, die Axel Wiemer fertigt.

Wen könnte das interessieren? Ich denke zum einen an diejenigen, die mit Anliegen des „Kreationismus“ oder „Intelligent Design“ in religiöser oder in biologischer, paläontologischer Diskussion in Berührung kommen, natürlich besonders Lehrerinnen und Lehrer in Bildungsstätten und Kirchen; zum anderen an Leute, die sich mit Vertretern eines „neuen“ Atheismus auseinandersetzen (Dawkins, Dennett, Harris, Hitchens); schließlich die, die darüber nachdenken, ob und wie  man heute angemessen von „Schöpfung“ oder einem „Schöpfer“ sprechen kann.